Kannst du dir neue Vokabeln besonders gut merken, wenn du ein Bild siehst und die Vokabel darunter steht? Musst du die Begriffe mehrfach hören, damit du sie dir einprägen kannst, oder bleiben neue Vokabeln immer dann gut in deinem Gedächtnis hängen, wenn du sie nachsprichst – am Besten noch in einem Beispielsatz? Jeder Mensch lernt anders.
Deutsch perfekt-Redakeurin Barbara Kerbel bringt Licht in den Lerntypen-Dschungel.
Eine Stunde im Sprachkurs, das Thema: Passiv-Konstruktionen. Alexandra, die Lehrerin, erklärt, wie man Sätze im Passiv bilden kann. Christina schreibt jedes Wort mit, blättert dann in ihrem Buch und liest die Erklärungen. Jessica hört konzentriert zu, stellt drei Fragen und notiert sich ein paar Stichpunkte. Michael zeichnet eine kleine Skizze, mit Pfeilen markiert er, wie sich die Wörter ändern. Massimiliano formuliert gleich einen Beispielsatz.
Vier verschiedene Schüler, vier verschiedene Arten, mit dem neuen Lernstoff umzugehen. „Die Menschen unterscheiden sich danach, wie sie Informationen aufnehmen und verarbeiten“, sagt der Sprachlehrforscher Rüdiger Grotjahn von der Ruhr-Universität Bochum. Jeder Mensch lernt anders. Zum Beispiel kann man verschiedene Arten der Wahrnehmung unterscheiden: Nehmen wir Information eher visuell wahr oder auditiv? Pädagogen und Psychologen sprechen von Lernstilen und Lerntypen; in diesem Artikel werden die Begriffe synonym verwendet. „Lernstile sind Präferenzen bei der Wahrnehmung, der Verarbeitung von Informationen und der sozialen Interaktion“, sagt Grotjahn.