14.11.2011
Wer in der Wissenschaft etwas auf sich hält, der veröffentlicht auf Englisch. Warum das so ist, was diese Entwicklung für die deutsche Sprache bedeutet und welchen Wert Mehrsprachigkeit in den Wissenschaften hat, darüber haben am Wochenende die Teilnehmer der Konferenz „Deutsch in den Wissenschaften“ in Essen diskutiert.
„Früher“ hätte es das nicht gegeben. Es gab mal eine Zeit, als Deutsch DIE Wissenschaftssprache war: Im 18. und 19. Jahrhundert nahm das Deutsche „eine herausgehobene Rolle ein, weil es sich in den in dieser Zeit im Humboldtschen Geist neu formierten Universitäten findet“, so Ludwig M. Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS). Inzwischen ist Englisch in den Wissenschaften lingua franca, also Verkehrssprache. Wer international mitmischen will, der veröffentlicht auf Englisch – zum Leidwesen der ‚Mehrsprachigkeitsverteidiger’.
Schirmherr der Veranstaltung war Bundespräsident Christian Wulff. Er bezeichnete Deutsch als eine Sprache, in der „Grundlagen unseres modernen Weltbilds gelegt“ worden seien. Es gelte, „Mehrsprachigkeit von klein auf zu fördern“ und jede Möglichkeit zu nutzen, Deutsch als Fremdsprache im Ausland zu verbreiten. Um „jungen Nachwuchswissenschaftlern den Weg nach Deutschland zu öffnen“, so der Bundespräsident, „müssen wir in Wissenschaft und Forschung so interessant sein, dass es sich lohnt, die Sprachbarriere zu überwinden“. Veranstalter der Konferenz waren der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), das Goethe-Institut (GI) und das Institut für Deutsche Sprache (IDS).
Hier gibt es ein Dossier zum Thema "Deutsch als Wissenschaftssprache" und hier soll es in Kürze einen Videomitschnitt der Podiumsdiskussion „Der Blick von außen“ geben. Günther Birkenstock berichtet für die Deutsche Welle „über die Konferenz. und hier gibt es ein Gespräch mit dem Linguisten Ludwig M. Eichinger als „ Podcast zum Nachhören auf Bayern 2.
Deutsch schafft Wissen
Anlässlich der Konferenz gab es auch einen Kreativwettbewerb zum Thema „Deutsch schafft Wissen“, den Jennifer Bohn (Text) und Johannes Hein (Design) von der Weimarer Bauhaus-Universität mit ihrem Projekt „Erste Worte“ gewonnen haben. Ihre Plakatserie arbeitet mit (vermeintlichen) Babyfotos großer deutscher Erfinder und ihren (vermuteten) ersten Worten. Wilhelm Conrad Röntgen legten sie zum Beispiel ein „Guck!“ in den Mund. Ansehen kann man das Plakat hier.
Mit der Invasion der Anglizismen hat sich auch Helga Kotthoff vor ein paar Tagen auf ZEIT ONLINE beschäftigt: „Die Leidenschaft für das Englische hat längst falsche Passagiere an Bord gebracht, wie das Handy und den Beamer“, schreibt Kotthoff hier und fragt schließlich, ob die deutschen Übersetzungen von "assessment center" (Bewertungszentrum) oder "dual career couple" (Paar mit doppelter Karriere) „nun langweilig oder nicht doch einfach nur ehrlicher“ seien...
Ein Hinweis in eigener Sache und natürlich zur Förderung der deutschen Sprache: Unser Einstufungstest Deutsch liefert eine erste Einschätzung des eigenen Sprachniveaus und die telc Prüfung Deutsch C1 Hochschule prüft „hochschulbezogene Deutschkenntnisse auf weit fortgeschrittenem Niveau. Die Prüfung richtet sich an Erwachsene, die an einer deutschsprachigen Hochschule ein Studium aufnehmen möchten, die bereits studieren oder in einem akademischen Beruf arbeiten und ihre Deutschkenntnisse nachweisen möchten.“