20.04.2011
Die Expertenkommission „Herkunft und Bildung“ hat gestern ein Gutachten zur Bildungspolitik in Baden-Württemberg vorgestellt. Darin warnen die Wissenschaftler um Prof. Dr. Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin vor den Auswirkungen des demografischen Wandels und fordern eine intensivere Sprachförderung.
Im Interview mit der ZEIT warnt Baumert vor einem Bildungsabstieg in Deutschland. Die zuletzt gemachten Fortschritte wie zum Beispiel die in der PISA-Studie überprüften Fertigkeiten im Bereich Leseverständnis könnten schon bald wieder zunichte gemacht werden. Als Gründe führt Baumert, der 2001 den deutschen Teil der PISA-Studie geleitet hatte, zurückgehende Schülerzahlen und eine veränderte soziale Zusammensetzung der Schülerschaft an.
Die Expertenkommission ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die jüngeren Schülerjahrgänge kleiner werden und dass gleichzeitig der Anteil der Zuwanderer steigt, die aus sozial schwächeren Verhältnissen stammen. „In Flächenstaaten wie Baden-Württemberg kommen zurzeit 35 Prozent der Schüler aus Zuwandererfamilien. Bei den unter Fünfjährigen sind es bereits mehr als 40 Prozent“, sagt Baumert im Interview mit der ZEIT.
In den Ballungszentren würden in wenigen Jahren die Zuwandererkinder im Grundschulalter die Mehrheit bilden. Der Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg werde dann zu einem nicht tolerierbaren Problem, wenn die für gesellschaftliche Teilhabe notwendigen Grundkompetenzen nicht erworben werden. Als Schlüssel zum Erfolg nennt Baumert die Beherrschung der deutschen Sprache und eine möglichst früh einsetzende Förderung. „Die heutige Herausforderung besteht darin, Bildungsarmut zu verhindern und dafür zu sorgen, dass jeder junge Mensch mit einer ausreichenden Bildung die Eintrittskarte ins Leben erhält.“
Hier geht es zum Interview und hier zum Bericht der Expertenkommission „Herkunft und Bildung“.