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Sprachtest-Blog

Die Bedeutung von Bildern im Sprachtest

24.08.2010

yvonne
Das Sprachtest Blog
Hier schreibt die Sprachtest-Redaktion über Aktuelles rund um Sprach- und Einstufungstests.
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Ein Sprachtest testet Sprachkenntnisse. Klar. Aber nicht nur das! Oft testet ein Sprachtest zusätzliche Fertigkeiten, die man eigentlich gar nicht testen möchte. Außerdem kann das Testergebnis beeinflusst werden, wenn Bilder in einem Sprachtest eingesetzt werden. Ein Gastbeitrag von Dr. Wassilios Klein, der als Testentwickler bei telc arbeitet und die Einstufungstests auf sprachtest.de mitentwickelt hat.

Von Dr. Wassilios Klein

Wer einen Sprachtest ablegt, muss seine Sprachkenntnisse unter Beweis stellen. Manchmal sogar mehr, als man denkt: Auch bei von Fachleuten als valide eingeschätzten Sprachprüfungen werden zwangsläufig Fertigkeiten mitgetestet, die man eigentlich gar nicht testen möchte. Dazu gehören: der Umgang mit Texten und das Abstraktionsvermögen oder zum Beispiel das Vorwissen über Inhalte von Texten. Behandelt ein Lesetext ein bestimmtes Hobby, das ein Testteilnehmer selbst ausübt, hat er mehr Vorwissen, als ein anderer Teilnehmer, der von diesem Hobby vielleicht noch nie etwas gehört hat. So kann das Vorwissen zu einem bestimmten Thema Einfluss auf das Testergebnis haben. Das ist natürlich nicht gewünscht – ganz vermeiden lässt es sich nicht. Außerdem spielt eine Rolle, was unseren Augen in einer kommunikativen Situation geboten wird, denn auch die Verwendung von Bildern kann den Testerfolg beeinflussen.

Hintergrundwissen aus der Testtheorie

In diesem Zusammenhang stehen sich in der Testtheorie zwei Positionen gegenüber. Auf der einen Seite wird argumentiert, Bilder sollten in einem Sprachtest nicht eingesetzt werden, damit eine Fertigkeit möglichst unbeeinflusst überprüft werden kann. Hier die Erklärung: Wenn wir von standardisierten, länderübergreifend anerkannten Sprachprüfungen reden, denken wir in aller Regel an den klassischen paper-and-pencil-Test. Üblich ist hier ein Prüfen der vier bekannten Fertigkeiten Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Visuelle Medien – von Schrift abgesehen – kommen eher selten zum Einsatz. Wenn sie eingesetzt werden, dann zum Beispiel Bilder oder Grafiken als Input für Schreib- und Sprechaufgaben. Grund dafür ist nicht allein das verwendete Medium. Der testtheoretische Hintergrund ist vielmehr, dass man die Fertigkeiten möglichst in „Reinform“ prüfen möchte, Textverständnis also ausschließlich anhand von Texten.

Testtheoretisch gut begründet ist jedoch auch die andere Position, nach der eine Aufgabe möglichst authentisch in einen Kontext eingebettet sein soll. Dazu gehört bei vielen Textgattungen visueller Input. Auch die Autoren des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) gehen darauf ein. Es gibt dort eine Skala für Hörsehverstehen von Filmen und Fernsehsendungen, und bei den Kann-Beschreibungen für mündliche Interaktion und einigen anderen Teilfertigkeiten wird visueller Input mal mehr, mal weniger erwähnt.

Visueller Input im Sprachtest von Teilnehmern positiv bewertet

Jenseits der Theorie zeigen Versuchsreihen, dass Testteilnehmer visuellen Input schätzen und ihm – wenn er angeboten wird – sehr viel Aufmerksamkeit schenken. Auch wenn eine Prüfungsaufgabe nie hundertprozentig authentisch sein kann, lässt sich unter Zuhilfenahme visuellen Inputs immerhin eine umfassendere Kontextualisierung einer Textaufgabe herstellen. Mit Barbara Biechele sei es präziser formuliert: Hörsehverstehen „zielt auf das adäquate Aufnehmen und Verarbeiten der kommunikativen Situation in ihrer Gesamtheit, d. h. das Erfassen der übermittelten Sprachzeichen und der nonverbalen … Informationen und deren intentionsgerechte, partnerbezogene und situationsgerechte Widerspiegelung und Interpretation.“* Hören und Sehen bilden also eine Einheit und sollten auch im Sprachtest als Einheit überprüft werden.

Bilder im Einstufungstest auf sprachtest.de

Wer einen Einstufungstest auf sprachtest.de macht, bekommt zu jeder Aufgabe ein Bild angezeigt. Auf den ersten Blick dienen die Fotos nur der Verschönerung, tatsächlich aber sind sie Funktionsträger und können das Testergebnis deutlich beeinflussen. Folgende Varianten kommen vor:

• Das Bild illustriert den Hörtext.
• Das Bild aktiviert Vorwissen und unterstützt so das Erfassen der Situation, in die der Text gehört.

Auf keinen Fall sollten folgende denkbare Varianten vorkommen:

• Das Bild liefert die Lösung.
• Das Bild verwirrt und stört mehr, als wenn es kein Bild gäbe.
• Das Bild liefert die falsche Lösung.

Dasselbe gilt auch für Aufgaben zum Leseverstehen. Aus Sicht der Testentwicklung ist sehr spannend zu beobachten, inwieweit unterschiedliche Bilder tatsächlich die Testergebnisse beeinflussen. Machen Sie beim Einstufungstest mit und unterstützen Sie die Forschung auf dem Gebiet der Sprachtestentwicklung. Für Sie wird der Test dadurch noch interessanter: Achten Sie doch einmal darauf, welche Wirkung die Bilder auf Sie haben. Wir freuen uns über Rückmeldungen per Mail an redaktion(@)sprachtest.de

Dr. Wassilios Klein, telc GmbH

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* Wer mehr wissen will, hier ein Einstieg:
Barbara Biechele: Das Hör-Seh-Verstehen, in: Fachlexikon Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, hrsg. v. Hans Barkowski / Hans-Jürgen Krumm, Tübingen 2010, S. 118.

Sprachtest-Wissen

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