25.10.2010
Auf der Frankfurter Buchmesse hat der Journalist Jürgen Neffe das Libroid vorgestellt. Libroid steht für "buchähnlich" oder "buchartig" und die so benannte ipad-App ermöglicht sowohl „normales“ Lesen, als auch gleichzeitiges Überfliegen von Zusatzmaterial wie Fotos, Karten oder Grafiken. Ein Blick in die Glaskugel, welche Möglichkeiten sich mit einer solchen App für das Lernen (nicht nur) von Fremdsprachen ergeben.
Lehrwerke gehören in der Regel nicht zur Lieblingslektüre von Schülern und ein noch schlechteres Image haben eigentlich nur Reclam-Lektüren. Nichts gegen Reclam, aber das Lesen von Klassikern in Schriftgröße pt 7, wofür man selbst mit gesunden Augen eine Lupe bräuchte, macht wenig Freude. Das Libroid könnte die Freude nicht nur für digital natives zurückbringen.
Libroid-Erfinder Neffe, früher Redakteur bei GEO und Reporter für den SPIEGEL, will dem gedruckten Buch Flügel verleihen und Gutenbergs Erbe zeitgemäß digitalisieren. Wie das funktionieren soll? Im Vergleich zum e-book hat ein Libroid weder Ende noch Seitenzahlen. Hochkant liest man den Haupttext, im Querformat erscheinen links und rechts Seitenleisten, die mit Zusatzinformationen gefüllt sind. Kartenausschnitte, Fotos, Grafiken und weitere Dokumente reichern den Text an und sind direkt abrufbar.
Gibt es von einem Buch mehrere Sprachfassungen, kann man während des Lesens die Sprache ändern und an der Stelle weiter lesen, an der man zuvor aufgehört hat. Zudem können die Leser den Text diskutieren und eigene Notizen oder Links hinzufügen. Dem „social reading“ steht damit nichts mehr im Wege.
Für das Fremdsprachenlernen eröffnen Apps wie das Libroid neue Möglichkeiten. Lehrwerke und Lektüren könnten leicht um Übungen, Tabellen, Grafiken, Lernvideos und Hintergrundinfos zu Autoren oder Grammatikthemen ergänzt werden. Hörverstehen und Leseverstehen könnten direkt verknüpft, Diskussionen über die Grenzen des Klassenraums hinaus geführt werden - mit den Schülern der Partnerschule oder einfach anderen Klassen, die das gleiche Buch lesen. Allerdings wird es wohl noch ein paar Buchmessen dauern, bis Schüler tatsächlich die Möglichkeit haben, mit dem Libroid oder ähnlichen Apps lernen werden...
Ein Interview mit Neffe über das Libroid und seine Funktionsweise gibt es beim Deutschlandradio Kultur und hier geht’s zur Libroid-Seite.