Die EU-Bürger

Die EU-Bürger und ihre Sprachen: Spezial Eurobarometer 386

Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die individuelle Mehrsprachigkeit der Menschen in der EU zu fördern. Konkret soll jeder EU-Bürger neben der eigenen Muttersprache mindestens zwei weitere Sprachen lernen und – grob formuliert – in diesen beiden Sprachen über praktische Kenntnisse verfügen. Eine Umfrage mit dem sprechenden Titel ‚Eurobarometer 386’ hat sich dem Thema gewidmet. Wir haben aufgeschrieben, was dabei herausgekommen ist.

Neben den 23 offiziell anerkannten Sprachen werden in der EU über 60 Regional- und Minderheitensprachen gesprochen. Mit der Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit hat die Europäische Kommission im Jahr 2005 umrissen, welchen Wert die Mehrsprachigkeit innerhalb der EU für den Erhalt der ‚Einheit in Vielfalt’ hat, welche Ziele durch die Förderung der Mehrsprachigkeit verfolgt und wie diese umgesetzt werden sollen. Sprache wird in der Rahmenstrategie als identitätsstiftendes Element skizziert, die Vielzahl an Sprachen wird dabei als Reichtum und als „unmittelbarster Ausdruck von Kultur“ verstanden.

Unter dem Titel „Die europäischen Bürger und ihre Sprachen“ hat die Europäische Kommission die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht. Im Spezial Eurobarometer 386 wird nicht nur berichtet, welche Sprachen überhaupt gesprochen werden und wie insbesondere die Sprachkenntnisse der gesprochenen Sprache beurteilt werden. Es geht auch um die Anwendung von Sprachen und die Einstellungen der EU-Bürger gegenüber dem Lernen von Sprachen. Dazu sind 26.751 Menschen aus unterschiedlichen sozialen und demographischen Gruppen in persönlichen Interviews in ihrer Muttersprache befragt worden.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, verknüpfte die Veröffentlichung der Ergebnisse mit einem Appell: "Wir müssen mehr dafür tun, das Lehren und Lernen von Fremdsprachen zu verbessern. Die Fähigkeit, in einer fremden Sprache zu kommunizieren, erweitert den Horizont und öffnet Türen. Sie verbessert die Beschäftigungsfähigkeit und öffnet Unternehmen mehr Chancen auf dem Binnenmarkt.“

 

Hier ein paar Ergebnisse im Überblick:

  • Deutsch ist - in Übereinstimmung mit den Bevölkerungszahlen der EU - mit 16 Prozent die am häufigsten in der EU gesprochene Muttersprache. Gefolgt von Italienisch und Englisch (jeweils 13 Prozent), Französisch (12 Prozent), dann Spanisch und Polnisch (jeweils 8 Prozent).
  • Interessant ist auch der Stand der Dinge in Bezug auf das Barcelona-Ziel (Muttersprache plus Kenntnisse in zwei weiteren Sprachen): 54 Prozent der EU-Bürger sind in der Lage, sich in mindestens einer weiteren Sprache zu unterhalten, ein Viertel (25 Prozent) spricht mindestens zwei zusätzliche Sprachen und einer von zehn Bürgern (10 Prozent) kann sich in mindestens drei Sprachen ausdrücken. Damit fehlen also noch 75 Prozent…
  • Die fünf meistgesprochenen Fremdsprachen sind nach wie vor Englisch (38 Prozent), Französisch (12 Prozent), Deutsch (11 Prozent), Spanisch (7 Prozent) und Russisch (5 Prozent).
  • Englisch ist auf Länderebene in 19 der 25 Mitgliedstaaten, in denen es keine offizielle Landessprache ist (d.h. ausgenommen das Vereinigte Königreich und Irland), die meistgesprochene Fremdsprache.
  • Die europäischen Bürger geben sehr häufig an, dass sie mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit eine Sprache lernen oder ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrischen würden, wenn der Sprachunterricht kostenlos wäre. Diese Ansicht vertreten annähernd drei von zehn Befragten (29 Prozent). Ungefähr ein Fünftel der EU-Bürger erklärt, dass sie mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit eine Sprache lernen oder die Fremdsprachenkenntnisse auffrischen würden, wenn sie dafür bezahlt würden (19 Prozent), wenn man die Sprache in einem Land lernen könnte, wo sie gesprochen wird (18 Prozent) oder wenn dies zu einer Beförderung/besseren Berufsaussichten führen würde (18 Prozent).
  • Der am häufigsten angegebene Grund dafür, keine andere Sprache zu lernen, ist der Mangel an Ansporn: Ein Drittel (34 Prozent) der europäischen Bürger gibt an, dass sie hierdurch entmutigt würden. Annähernd ein Viertel der EU- Bürger erklärt, dass sie nicht die Zeit hätten, um richtig dafür zu lernen (28 Prozent) und dass es zu teuer sei (25 Prozent). Ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten gibt an, entmutigt zu sein, da sie kein Talent für Fremdsprachen hätten.
  • Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Befragten vertreten die Ansicht, dass die Verbesserung von Sprachkenntnissen eine vorrangig geförderte politische Maßnahme sein sollte.

Wer es ganz genau wissen will, findet hier den Bericht auf Deutsch (PDF: Eurobarometer 386) sowie den Anhang und eine Zusammenfassung auf Englisch.