Unnützes Sprachwissen

Wenn ein Buch schon „unnützes Sprachwissen“ heißt, dann muss man es nicht lesen, könnte man meinen. Muss man nicht, macht aber Spaß – zumindest hat die DUDEN-Redaktion tatsächlich „Erstaunliches über unsere Sprache“ zusammengetragen. Ein Buchtipp aus der sprachtest-Redaktion.

Der Klappentext verspricht „Kurioses zum Schmökern, Staunen und Weitererzählen“. Das klingt schon mal gut. Auf 80 Seiten geht es um Fragen wie: Ist die Bcuhstbaenrehenifloge in eneim Wort eagl? Wo wird wohl Adygeisch und Abasisnisch gesprochen und was ist das Gegenteil von allein?

Die Frage nach der Reihenfolge von Buchstaben gehört zu den diversen kuriosen Fakten. Wer den Satz mit dem Buchstabensalat im letzten Absatz lesen konnte, wird den Erkenntnissen aus einer Studie der Universität Cambridge wohl zustimmen. Demnach ist es nämlich ziemlich egal, in welcher Reihenfolge die Buchstaben in einem Wort angeordnet sind. Einzige Bedingung, um das Verstehen des Inhalts trotzdem zu ermöglichen: der erste und der letzte Buchstabe im Wort muss wirklich an der richtigen Stelle stehen. Dann klappt es mit dem Leseverstehen. Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, unseren Einstufungstest Deutsch mal zu überarbeiten und die Lückentexte noch mit Buchstabensalat zu bereichern. Ob man die dann noch lösen könnte?

Von Meuchelpuffer bis Lotterbett

Jedenfalls hat die DUDEN-Redaktion ein Sammelsurium an Fakten rund um die Sprache zusammengestellt. Dabei hat die Redaktion sich der Redaktionsdatenbank bedient und Anfragen an die Redaktion gesichtet. Das Ergebnis ist eine leichte Lektüre für unterwegs, die einen alle paar Seiten zum Schmunzeln bringt. Zum Beispiel bei der Auflistung fehlgeschlagener Versuche, Fremdwörter zu verdeutschen. „Manche dieser Bildungen setzten sich durch, andere erscheinen heute als sprachgeschichtliche Kuriositäten“, schreibt die DUDEN-Redaktion. Zwei Beispiele: Das Wort ‚Pistole’ sollte mit dem Begriff „Meuchelpuffer“ verdeutscht werden. Man stelle sich vor, wie eine brenzlige Situation im Tatort durch den gestählten Kommissar mit der zackig ausgesprochenen Warnung „Nimm den Meuchelpuffer runter oder ich schieße!“, in sekundenschnelle entschärft würde. Nach der Arbeit würde der Kommissar seine Freizeit dann daheim auf dem ‚Lotterbett’ verbringen. So sollte im 17. Jahrhundert nämlich das Wort ‚Sofa’ eingedeutscht werden. Beide Begriffe haben sich (wie viele andere Wörter auch) nicht durchgesetzt. Schade eigentlich, oder?

Deutsche Satzpalindrome – Risotto, Sir?

Ansonsten finden sich die schönsten Schimpf- und Kosewörter, verrückte Namen, 40 umgangssprachliche Bezeichnungen für Geld, Scheinanglizismen („Handy“) und 50 lautmalende Wörter, ganz lange und besonders kurze Ortsnamen, Wortpalindrome („Sei fein, nie fies.“; „Risotto, Sir?“) und die längsten deutschen Wörter.

„Erstaunliches über unsere Sprache, das man sich nicht unbedingt merken muss, womit man aber auf jeder Party glänzen kann“, so schreibt die DUDEN-Redaktion und dem können wir zustimmen. Wir ziehen uns dann jetzt zurück und lernen die Besserwisser-Liste mit den Ausdrücken „Latein im Alltag“ auswendig, um in der nächsten Redaktionssitzung zu glänzen... Valete!

Duden - Unnützes Sprachwissen
Erstaunliches über unsere Sprache
80 Seiten. 10 cm × 16 cm
5,00 € (D) / 5,20 € (A)
ISBN 978-3-411-71692-0